Ich erzähle euch einen kleinen Moment, in dem ich eine fremde Person für wenige Minuten kennenlernen durfte. Komischerweise treffe ich viele Menschen, welche mir ihre Geschichten erzählen, aber alle haben eines gemeinsam: jede noch so kleine und für mich als Außenstehender uninteressante Geschichte, macht den Menschen, der sie erzählt glücklich und bedeutet ihm sehr viel. Deshalb erzähle ich euch nun, was mir heute passiert ist, und wieso ich nach 20 Minuten Fahrt in der U-Bahn glücklich und gut gelaunt ausgestiegen bin.

Felix Woerz Fotografie
Foto von Felix Woerz

Auf meiner Fahrt von der Arbeit zum Hauptbahnhof Stuttgart, eine Strecke von 20 Minuten, hat mich ein älterer Mann angesprochen mit ausländischem Akzent. Ich hab zuerst nicht verstanden was er zu mir gesagt hatte, wiederholte es aber freundlicherweise noch einmal. Seine Frage war, was ich unter dem Thema Depressionen verstehe. Er schreibe gerade ein Buch und ihn interessiere die verschiedenen Ansichten zu diesem komplexen Thema. Da ich mich etwas auskenne in dem Gebiet, habe ich ihm einige Dinge aufgezählt und er war erstaunt darüber, dass ich so viel weiß, da er dachte ich wäre erst 15 Jahre alt. Als ich meinte, dass ich schon studiere, bat er mich, sein Buch einmal durchzulesen. Ich fing an mit der ersten Seite und habe ihn gefragt, wie er das meinte. Es stellte sich raus, dass er nicht mehr wirklich weiß was er geschrieben hat, da er schon seit 10 Jahren an dem Buch sitze. Also saß ich mit ihm in der Bahn und wir haben Seite für Seite durchgesprochen und die Fehler korrigiert, Sätze umgestellt und auch andere Wortwahlen gewählt. Als ich meinte, ich muss jetzt leider aussteigen, dankte er mir herzlich für meine Hilfe, und wünschte mir das beste für mein Studium. Er zeigte mir das Titelblatt seines Buches und meinte „vielleicht hast du ja Lust es am Ende komplett durchzulesen und dann kannst du stolz sagen, welche Sätze von dir sind!“. Und dieser ältere Herr, verabschiedete mich mit einem Lächeln und voller Vorfreude auf sein Buch, welches er endlich nach so langer Zeit fertig schreiben konnte. Meiner Meinung nach, wird er damit keinen Erfolg haben, da er jeden Satz korrigieren sollte und auch viel mehr Inhalt schreiben sollte für ein ganzes Buch. Aber er ist zufrieden mit seinem Werk und das ist das Schönste was es gibt. Er weiß selber, sein Deutsch ist nicht das beste, aber ihm hat es Spaß gemacht, über das Thema Depressionen zu recherchieren und Tipps zu geben, wie man das verhindern kann, und das ist das schönste was es gibt! Er hat nun etwas, auf das er lange hingearbeitet hat, und kann stolz sagen, dass das Buch sogar veröffentlicht wurde. Ich weiß leider seinen Namen nicht, aber durch das Titelblatt weiß ich wonach ich suchen werde, und ich bin gespannt wie es am Ende geworden ist.

Felix Woerz Fotografie
Foto von Felix Woerz

Ich liebe es, wenn man in der Bahn mit fremden Menschen in Kontakt kommt und man in so kurzer Zeit so vieles lernen oder auch erfahren kann.

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